Leseproben

Na toll, nun sitz ich hier und heule mir die Augen aus dem Leib. Dabei habe ich doch eigentlich gar keinen Grund zu weinen. Schon gar nicht so.
Ich hab jeden Grund um glücklich zu sein, denn ich habe dich. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemanden wie dich je finde. Dass ich je sagen kann: Wahre Liebe gibt es oder gar, dass Märchen wahr werden können.
Aber ich vermisse dich. Es zerreißt mich dich nun 9 Monate nicht gesehen zu haben. Nicht gesehen, nicht gespürt. Doch moment, gesehen haben wir uns. Täglich, digital. Videos, Fotos, so wie wir es schon seit über 2 Jahren machen. Wie wir es kennen monatelang. Aber jetzt? Jetzt ist alles ausgefallen wo wir Zeit hätten verbringen können. Corona hat unsere Leben geändert und stellt unsere Beziehung auf eine harte, wenn nicht sogar die härteste Probe.
Wenn andere sich über Fernbeziehungen unterhalten, lachen wir. 8562km trennen uns. Nur BT und Anne durften sich beschweren. Bei ihnen waren es über 10000. Heute leben sie zusammen. Sind unsere heimlichen Vorbilder. Schon schräg das alles ...

Verzeiht es mir, dass ich hier keine offenen Namen nenne und dieser Text absolut unlektoriert ist.

Aber ich glaube, ich sollte am Anfang anfangen. Nur wo genau ist das eigentlich. Ist das der Moment, in dem ich mich in meinen inzwischen Exmann verliebt habe, die Momente, in denen die Kinder geboren sind oder ist es der, an dem ich meinen Ex vor die Tür gesetzt habe?
Ich glaube, der richtige liegt irgendwo dazwischen. Irgendwo da wo ich Odin (so hieß er im Game) kennengelernt habe und viele andere Gamerkollegen mir klargemacht haben, dass meine Beziehung eine Katastrophe ist. Ja, das war sie. Und sie wurde immer schlimmer. Von: Da brauchst du nicht hin, über: Mit denen triffst du dich nicht hin zu Kontrollanrufen und schließlich Handgreiflichkeiten vor den Kindern im Haus. Dort wo ich mich sicher fühlen wollte. Flucht war nicht möglich – Moment, doch das wäre möglich gewesen – ich war zu feige. Wir haben doch Kinder, sind verheiratet. Das geht doch alles nicht. Trennung würde bedeuten, dass ich mit meiner Ehe gescheitert bin, dann wäre ich alleine. Mit oder ohne Kinder. Ohne Mann ohne Wohnung ohne Geld? All das geisterte durch meinen Kopf. Also ertrug ich es. Flüchtete mich in Bücher. Lesen, schreiben, wenigstens im Kopf wegkommen.
Aus kleinen Texten wurden Bücher. Bücher, die tatsächlich Leute gelesen haben und die mich nicht belächelt haben. Aber diese Menschen waren weit weg. Dann kam das digitale Widersehen mit Odin. Lange Gespräche über das was so passiert ist, was man so treibt. Und Worte, die schließlich dafür gesorgt haben, dass ich mich getrennt habe. Dass ich mich getraut habe den Horror zu beenden. Dass ich sagen konnte, dann geh zu deiner Neuen und komm nicht zurück. Dass die Kraft da war das durchzuhalten. Viele haben mich in dieser Zeit unterstützt. Menschen, die ich zum großen Teil noch nie getroffen hatte und einige auch nie mehr treffen werde.
Ich habe weitergeschrieben, hatte Freude an dem was ich getan habe, habe mein Geld verdient, habe gelebt. Endlich wieder, nach vielen Jahren in denen es nicht machbar gewesen ist. Urlaub mit den Kindern. Hobbys für die Kinder. Anstrengend ja, aber man wächst an seinen Aufgaben. Aufgeben zählt nicht, du schaffst das. Odin und Andi (den ich auch online schon weit vor der Geburt der Kinder kennengelernt habe) haben mir immer ein Ohr geliehen. Auch andere - und nun kommt es – Männer waren da. Nein, keine Beziehungen. Gesprächspartner, mehr nicht. Menschen, die ich unglaublich schätze. Und dann kam der Augenblick, in dem Odin vorschlug: Schreibt doch mal nach einer wahren Begebenheit. Schneller als ich zusagen oder ablehnen konnte, lernte ich Menschen kennen, die mir tiefe Einblicke gewährten. Mit denen ich gemeinsam um Freunde geweint habe und deren Leben ich in ein Buch gesteckt habe. Immer mehr Türen haben sich geöffnet und BT war einer von denen, die immer da waren. Gemeinsam mit Odin. Und manchmal im Leben, wenn man denkt: Nun ist alles gut, passiert etwas furchtbares. Wahrscheinlich damit man nie vergisst dankbar für jeden Moment zu sein. Ich werde es nicht vergessen und spüre immer noch diesen Schmerz. Jedes Mal wenn ich mein Herzensprojekt anschaue und in die Hand nehme kommen mir die Tränen. Kurz vor der Veröffentlichung, zu einer ungewohnten Zeit im Skype war es BT, der mir die Botschaft von Odins Tod überbrachte. Die Welt blieb stehen, wenn ich daran denke, kommen mir immer noch die Tränen. Ich war blind und dumm. Denn all die Dämonen von denen er mir berichtet hatte, waren seine. Die, die ihn aufgefressen haben. Der Schock saß tief, aber es muss weitergehen. Auch im nahen Familienkreis gab es Todesfälle. Keiner hat mich so schockiert wie Odins.
Krone richten und weitermachen.
Dann kamst du. Du warst schon immer da, aber irgendwie, kamen wir nicht gut miteinander aus. Ich weiß nicht mal mehr was ich wissen wollte, als es hieß: Frag ihn, ich habe keine Zeit. Was hab ich BT verflucht. Du hast mir gesagt, was ich wissen wollte, und wir haben geredet. 2 Stunden, viel zu lange und ich war viel zu müde am nächsten morgen. Diese Nächte haben sich wiederholt oft und sie waren lang. Wir haben es beide genossen. Andi hat gesagt: Riskier es. Ich hab mich nicht getraut, du schon. Auf einmal warst du hier. 48 Stunden, mehr Zeit hattest du nicht. Die Kinder sind bei Oma untergekommen, ich bei dir im Hotel.
Unsere Treffen waren immer nur kurz dafür intensiv (und immer warst du es, der das Geld in die Hand genommen hat um bei mir zu sein). Eigentlich, so sind wir uns einig- passen wir nicht zusammen. Und doch fällt mir jeder Tag ohne dich schwer. Es ist anstrengend die Fassade zu wahren. Wir wollen unsere Beziehung nicht über Facebook und Co offenlegen. Wir haben beide unsere Erfahrungen mit den sozialen Medien gemacht und wissen was dorthin gehört und was nicht. Nur ein sehr enger Freundeskreis weiß Bescheid und das wollen wir auch nicht ändern. Andi war einer dieser Menschen. 2018 hatte ich das Geld und den Mut. Ich wäre zu dir gekommen, wir wären zu dir gekommen. Mein Ex hat sich geweigert. Es ist einmal mehr viel böses Blut geflossen. Wir kannten uns gerade mal ein Jahr und ich hätte diesen Schritt gewagt. Weg aus Deutschland, zu dir in Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das hätte ich mir vor Jahren nicht zugetraut, in dem Augenblick hätte ich es getan. Was fehlte, waren Unterschriften. Ich konnte nicht weg. Ich konnte die Kinder nicht alleine lassen. Du hast es verstanden. Du hast gesagt, du wartest. Wir haben wenige Wochen übers Jahr verteilt gemeinsam gehabt eine Zeit so intensiv, dass ich es nicht in Worte fassen kann. 2019, war nicht mein Jahr, es wäre uns nicht möglich gewesen, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, und nun 2020 steht die Welt Kopf. Aber du bist immer noch da. Du hast mich gelehrt wieder zu vertrauen, zu lieben und Berührungen zuzulassen. Irgendwann wird es ein richtiges WIR.

I love you <3

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